Weshalb reden Menschen nicht gerne über Sterben und Tod?
Reden hilft

Weshalb reden Menschen nicht gerne über Sterben und Tod?

Diese Frage wurde mir in letzter Zeit gestellt. Was hält uns davon ab, mit Partner:in, Eltern, Geschwistern und Freunden über das Lebensende zu reden. Ist es die Reaktion, die wir befürchten oder ist es, weil wir nicht daran denken wollen, dass das Leben endlich ist? Wie sollen wir reagieren, wenn jemand plötzlich weint?

Viele Fragen und Zweifel und am Schluss wissen wir nicht, was unser Vater oder unsere Mutter übers Sterben dachte und was sie/er am Ende oder nach dem Ende eigentlich möchte.

Der italienische Mediziner und Professor für Palliativmedizin schreibt im Buch übers Sterben:

«Was uns allen zu wünschen ist, ist ein nüchterner und gelassener Blick auf die eigene Endlichkeit. Dies erfordert eine ruhige und wiederholte Reflexion, am besten im Dialog mit den Menschen, die uns am nächsten stehen. Das passiert leider im Leben eher selten, und wenn, dann oft sehr spät. Nehmen wir uns die Zeit dafür.»

Vielleicht haben wir die Zeit, doch wir wissen nicht, wie wir das Gespräch beginnen sollen.

Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit dem Spitalseelsorger Hubert Klössner darüber, wie man ein Gespräch über Sterben und Tod beginnen kann. (Siehe auch Blogartikel «Leute sprecht mehr»
Daraus ergaben sich fünf Möglichkeiten:

  • Nach einer Trauerfeier, die man gemeinsam besucht hat oder im TV (berühmte Persönlichkeit) gesehen hat, könnte man fragen: «Hat dir diese Trauerfeier gefallen?»
  • Man kann die eigene Unsicherheit, ob man das Thema ansprechen soll, thematisieren: «Du, ich habe den Impuls, über deine Wünsche zum Lebensende mit dir zu sprechen. Aber ich bin nicht sicher, ob du das auch möchtest?»
  • Man könnte etwas von sich selbst zur Verfügung stellen und daran eine Frage anknüpfen: «Ich möchte einmal kremiert werden – hast du dir darüber auch schon Gedanken gemacht?»
  • Man kann Todesanzeigen in der Zeitung kommentieren: «Geht dir das auch so, dass du beim Lesen der Todesanzeigen befürchtest, du könntest jemanden kennen? Wie möchtest du eigentlich deine Todesanzeige einmal haben?»
  • Im Anschluss an einen Film, den man gemeinsam gesehen hat, zur Frage überleiten: «Früher war allen klar, was zu tun ist, wenn jemand gestorben ist. Die Leute wussten, was sie anziehen müssen, wie lange sie trauern müssen und so weiter. Heute können wir alles selbst entscheiden. Wie geht es dir eigentlich damit?»

Wenn wir nach diesen Fragen gut zuhören und uns die Zeit nehmen, die Borasio erwähnt, gewinnen wir wertvolle Informationen.

Welche Erfahrungen hast du im Gespräch über Sterben und Tod?

www.scheurer-abschiedsfeiern.ch

Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Danke für die Ideen zum Gespräch übers Sterben und Beerdigt-werden! Ich fange mal mit mir selber an!😉

    1. Gestern beantwortete ich 12 Fragen für einen neuen Podcast „my last goodbye“ – wie ich einmal gehen will. Eine Frage war: Wenn du jetzt erfahren würdest, dass du heute Abend sterben musst: Was möchtest du vorher unbedingt noch tun? Meine Antwort: mit meinen Liebsten Zeit verbringen.
      Nächste Frage und was müsstest du noch tun? Meine Antwort: ich müsste unbedingt mein Büro aufräumen – danach musste ich ein bisschen lachen. Als gäbe es nichts wichtigeres als aufgeräumt abzutreten.

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